MusterKita öffnet ihre Pforten

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Bundesweit erste MusterKita in Neuwied

Gesundes Arbeitsklima und Wohlfühl-Atmosphäre – Ministerin Bätzing-Lichtenthäler: „Man schaut auf diese MusterKita“

Sie gilt bundesweit als Musterbeispiel für gesundes Arbeiten und Wohlfühl-Atmosphäre für Kinder, Erzieherinnen und Erzieher. Anfang Juli wurde sie offiziell eröffnet: Die MusterKita „Kinderplanet“ im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis. Beim Um- und Neubau erhielten Sicherheit und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten und Kinder oberste Priorität. Die MusterKita ist ein Gemeinschaftsprojekt der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), der Stadt Neuwied als kommunaler Trägerin und der Gemeindlichen Siedlungs-Gesellschaft Neuwied als Bauherrin. Entsprechend groß war der Besucherandrang zur Eröffnung. Allen voran begrüßte Neuwieds Oberbürgermeister Nikolaus Roth die rheinland-pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, Sabine Bätzing-Lichtenthäler. „Mich interessiert die MusterKita ganz besonders - als Mutter und als Ministerin für Arbeit und für Demografie“, machte sie deutlich.

Bei der Gesundheitsförderung in Kitas habe man meist die Gesundheit der Kinder im Blick und verliere die Beschäftigten häufig aus den Augen. Auch unter dem Aspekt des demografischen Wandels und Fachkräftemangels sei es besonders wichtig, dass die Arbeitsbedingungen so gut wie möglich sind, damit Beschäftigte sich wohlfühlen und entsprechend arbeiten können. „Daher danke ich vor allem der Unfallkasse, dem Institut für Arbeitsschutz, der Stadt Neuwied, den Beschäftigten der Kita und  allen Kooperationspartnern, dass Sie dieses Konzept umgesetzt haben. Man schaut auf diese MusterKita, und es ist bemerkenswert, was Sie hier auf die Beine gestellt haben. Ich kann nur an andere Träger und Einrichtungen appellieren, etwas Ähnliches für ihre Erzieherinnen und Erzieher auf den Weg zu bringen. Denn sie sind das Herzstück dieser Einrichtungen“, so die Ministerin.

Auf das Bauprojekt und die gelungene Zusammenarbeit der Beteiligten ging Oberbürgermeister Nikolaus Roth ein:  „Wir freuen uns sehr darüber, dass es in der Zusammenarbeit zwischen unserer Gemeindlichen Siedlungsgesellschaft und dem Jugendamt sowie mit Unterstützung der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und des Instituts für Arbeitsschutz gelungen ist, eine MusterKita in Heimbach-Weis zu errichten, die in Bauweise und Ausstattung wichtige Erkenntnisse für die Zukunft geben soll. Hier wurden mit vielen innovativen Ideen in architektonischer, wie auch ergonomischer Hinsicht Ansätze der modernen und zukunftsweisenden Kinderbetreuung verfolgt.“ In Zusammenarbeit mit der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und dem Institut für Arbeitsschutz wurden eine Vielzahl ergonomischer Maßnahmen, aber auch umfassender Gesundheitsschutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung in den Fokus genommen. Für diese Unterstützung sind wir der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und dem IFA sehr dankbar. Wir wissen um die hohen Belastungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kindertagesstätten und hoffen mit der Einrichtung in Heimbach-Weis, belastbare Erkenntnisse für die langfristige Gestaltung des Arbeitsumfeldes und den Ausbau des Gesundheitsschutzes zu erzielen", so Oberbürgermeister Roth.

Beate Eggert, Geschäftsführerin der Unfallkasse, erläuterte auch im Namen des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV Hintergründe zum Bau der MusterKita. „Viele waren bereit, diesen Weg gemeinsam zu gehen und wir sind stolz, dass es möglich war, die Idee der MusterKita umzusetzen. Gemeinsam ist es uns gelungen, das Verständnis von technischem und organisatorischem Arbeitsschutz mit der Sicht auf soziale Beziehungen zu vereinen. Diese MusterKita steht für ein gesünderes Arbeitsklima für die Beschäftigten und eine Wohlfühl-Atmosphäre für die Kinder“, so Beate Eggert.

Den obligatorischen Schlüssel nahm Kita-Leiterin Anja Schäfer aus den Händen des Architekten Holger Zimmermann und Geschäftsführers der Siedlungs-Gesellschaft, Heinz-Peter Schmitz, entgegen. „Es freut mich, dass die Kolleginnen und Kollegen im Fokus stehen. Das steht auch etwas mit Respekt der Berufsgruppe zu tun“, sagte Anja Schäfer. „Die Umbauphase war keine leichte Zeit, doch wenn man das Ergebnis sieht, macht es einfach Spaß. Die Kinder sind unsere Hauptakteure. Und darauf richten wir unser Augenmerk.“

Insbesondere folgende Aspekte wurden bei der Realisierung der MusterKita berücksichtigt:  

Oftmals ist die Möblierung auf die ergonomischen Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten und nicht auf die Bedürfnisse des Erziehungspersonals. Die Folgen sind verdrehte Körperhaltungen beim Sitzen auf zu kleinen Stühlen, häufiges „falsches“ Bücken zur Kontaktaufnahmen mit den Kindern und unnötiges Heben und Tragen von Kindern. Die Ausstattung mit Mobiliar aber auch die Anordnung von beispielsweise Sanitärobjekten oder Wickelplätzen wird so erfolgen, dass die Kinder und Beschäftigten für ihre Körpergröße angepasste Verhältnisse vorfinden.

Durch Lärm werden Kinder und Beschäftigte geschädigt, gefährdet oder zumindest erheblich belästigt. Hinzu kommt, dass Lärm die Sprachentwicklung von Kindern negativ beeinflusst. Optimaler Lärmschutz in der Kita muss eine Bündelung von baulichen, organisatorischen und pädagogischen Maßnahmen sein. Räume werden mit Elementen versehen, die eine optimale Raumakustik gewährleisten.

Ein gutes Raumklima fördert das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen. In einer Kindertagesstätte muss das Raumklima für auf dem Boden krabbelnde Kleinkinder genauso zuträglich sein wie für die Beschäftigten in der Einrichtung. Dabei wird das Raumklima durch die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftgeschwindigkeit bestimmt. Ganz entscheidend zum Wohlfühlen in der Kita trägt auch die Luftqualität bei, die maßgeblich durch den Gehalt an Kohlendioxid (CO²) beeinflusst wird. Heizung und Lüftung müssen diesen Anforderungen gerecht werden. 

In der Kindertagesstätte gibt es unterschiedliche Anforderungen an die Beleuchtung. Neben einer ausreichenden Versorgung mit Tageslicht ist für eine gute Beleuchtung die Installation einer künstlichen Beleuchtungsanlage notwendig. 

Die Räume weisen ausreichende Platzreserven vor, damit neben dem Mobiliar die Bau- oder Puppenecke ebenso Platz finden wie der Stuhlkreis. Um die organisatorischen Abläufe zu optimieren, ist die Raumanordnung, die Nähe zwischen Gruppenraum, Sanitärbereich und Schlafraum aber auch ein möglichst abgelegener ruhiger Raum für die Erzieherinnen und Erzieher als Rückzugsraum, beachtet worden.


Beispiel guter Praxis: MusterKita


Gesundes Arbeiten in Kitas

Forschungsergebnisse aus den Projekten „Ergo-Kita“ und „MusterKita“ zeigen, wie Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten bei der Arbeit entlastet werden können.

Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagestätten (Kitas) müssen in ihrem Arbeitsalltag zahlreiche komplexe Aufgaben bewältigen, die ihre Gesundheit stark belasten. Täglich auf zu kleinen Stühlen sitzen, Kinder heben und tragen, kaum Möglichkeiten zum Entspannen – das kann auf Dauer Spuren im Muskel-Skelett-System hinterlassen.

Doch wie kann den Betroffenen geholfen werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Interventionsstudie „ErgoKita“, in der Lösungsansätze zur Verbesserung der beruflichen und gesundheitlichen Situation des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen entwickelt und evaluiert wurden. Initiiert wurde die Studie von den Unfallkassen Rheinland Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) führte sie in Zusammenarbeit mit den Universitäten Darmstadt und Frankfurt durch. Im Rahmen des Projekts wurden physische und psychische Belastungssituationen im Kita-Alltag erfasst und darauf aufbauend Präventionsmaßnahmen abgeleitet. Wie wirksam diese Maßnahmen sind, wurde in einem weiteren Schritt in der Praxis wissenschaftlich evaluiert. Aus der Studie, die im Februar 2014 abgeschlossen wurde, lassen sich daher direkte Praxisempfehlungen zur ergonomischen Kita-Gestaltung ableiten.

So konnte die Arbeitszeit, die Erzieherinnen und Erzieher in kniebelastenden Haltungen verbringen, durch die Nutzung ergonomischen Mobiliars erheblich reduziert werden. Auch ließen sich mithilfe von speziellen Stühlen Sitzhaltungen, zum Beispiel beim Verpflegen der Kinder, deutlich verbessern. Die mit Messsystemen erfassten physischen Belastungsspitzen wurden dem pädagogischen Personal in einem Ergonomie-Workshop anschaulich dargestellt, um daraufhin gemeinsam alternative ergonomische Abläufe für den Kita-Alltag zu erarbeiten. Wie wirksam diese optimierten Abläufe sind, wurde wiederum messtechnisch ermittelt. Auf diese Weise konnte auch das Arbeiten in stark gebeugten Oberkörperhaltungen wesentlich reduziert werden. „Uns ist es jetzt wichtig, dass wir diese positiven Ergebnisse, die wir in den Projekt-Kitas erreichen konnten, auf viele weitere Kitas übertragen“, so Prof. Dr. Rolf Ellegast, stellvertretender Leiter des IFA.

Die Unfallkasse Rheinland-Pfalz, das IFA und die Stadt Neuwied tragen die Forschungsergebnisse bereits durch den Bau einer MusterKita in Neuwied in die Praxis. Bei der dortigen Altbausanierung und gleichzeitigen Erweiterung durch einen Neubau werden insbesondere die Aspekte Ergonomie, Raumgestaltung, -akustik und -klima sowie Beleuchtung berücksichtigt. So sollen die Arbeitsbelastungen für die Erzieherinnen und Erzieher deutlich gesenkt und der Lebensraum für Kinder und Erwachsene besonders gesundheitsfördernd gestaltet werden. „Nach Fertigstellung der MusterKita können andere Kitas dort Ideen für ergonomische Lösungen sammeln, die sie dann in ihren Einrichtungen umsetzen können“, so Prof. Dr. Ellegast. Bereits jetzt stößt das Projekt bei Erzieherinnen und Erziehern sowie bei der Presse auf großes Interesse.


Projekt MusterKita

Broschüre

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